Menschen-Kettenreaktion

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Riesenerfolg gegen den Wiedereinstieg in die Atomkraft



Sollte Jemand geglaubt haben, die Anti-Atom-Bewegung sei auf einen kleinen Rest geschrumpft, wurde er am Samstag aus seiner Träumerei gerissen. “Die Deutsche Atombewegung ist wieder da” stand in der Online-Ausgabe der Welt. Es war eine der größten Protestaktionen gegen Atomkraft in Deutschland: Rund 120.000 Demonstranten reihten sich in eine 120 Kilometer langen Menschenkette zwischen Brunsbüttel und Krümmel ein. Anders als in den 70er- und 80er-Jahren dominierte demonstrative Friedfertigkeit, war weiter bei Welt-Online zu lesen. “Sigmars Show” kommentierte Stern.de die kurzzeitige Rot-Grüne Koalition bei Elmshorn: Für 46 Minuten stehen SPD-Chef Sigmar Gabriel und die Grünen-Fraktionsvorsitzenden Jürgen Trittin und Renate Künast an diesem Samstag Seit‘ an Seit‘ auf der Bundesstraße 431. Weit über 100 Beiträge spuckt Google-News zu dem Thema aus.

Seit der Anküdigung am 3. Februar – wir haben berichtet – liefen die Mobilisierungs-Kampagnen auf hochtouren. Mit Spots, Flyern, Plakaten, Infoveranstaltungen und im Web 2.0 haben die Organisatoren, beteiligten Verbände, Gewerkschaften, Kirchen und Parteien ihre Anhänger an die Elbe gebracht.

Einzig allein FDP-Chef Guido Westerwelle gab sich laut Reuters unbeeindruckt. Er respektiere die Proteste. “Trotzdem werden wir eine andere Politik machen, weil dies richtig für Deutschland ist”, sagte er am Sonntag auf dem FDP-Parteitag in Köln. Wie er seine “andere” Politik angesichts dieser Machtdemonstration der Umweltbewegung durchsetzen will, muss er noch erläutern.

Aus Sicht der Kampagnenmacher war diese Aktion sicher nicht ganz ohne Risiko. Allein schlechtes Wetter hätte die Teilnehmerzahl schon deutlich reduzieren können. Eine Menschenkette mit großen Rissen? Das hätte auch nach hinten losgehen können und zu einer Ohnmachts-Demonstration werden können. Aber was soll dieses Gerede? Man muss sich eben seiner Sache sicher sein!

SMS Kampagnen – Teil 2

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Beispiel: Greenpeace Argentinien

Bei meinen Recherchen zum Thema SMS im Einsatz für Non-Profit-Kampagnen bin ich auf eine Studie der United Nations Foundation und der Vodafone Group Foundation gestoßen. Die Publikation enthält u.a. eine Fallbeschreibung des SMS-Einsatzes bei Greenpeace Argentinien, die ich hier zusammen gefasst wieder gebe:

Im Jahr 2007 stand in Argentinien ein Gesetz zum Schutz der Urwälder (La Ley de Bosques) zur Entscheidung an. In einer Kampage zur Unterstützung des Gesetzes hat Greenpeace Argentinien neben TV und Internet auch massiv auf das Mobiltelefon gesetzt. Die Greenpeace-Lobbykampagne basierte wesentlich auf einer umfangreichen Datenbank mit Untertützern. Über ein Formular auf der eigenen Web-Site, über direkte Kontakte in Fußgängerzonen und über E-Mails konnte Greenpeace eine beeindruckende Telefonliste von ca. 350.000 Mobiltelfonnutzern zusammenstellen.

Am Ende der Kampagne haben 1.5 Millionen Menschen die Petition zur Unterstützung des Urwaldgesetzes unterschrieben. Dabei wurde das Mobiltelefon auf verschiedene Arten für die Kampagne genutzt: Etwa 3.000 Unterschriften wurden beispielsweise direkt per SMS gesammelt. Eine besondere Unterstützer-Gruppe hatte Greenpeace die Erlaubnis erteilt, ihnen gezielt Nachrichten per SMS zu senden.

Es war nicht das erste mal, dass Greenpeace-Argentinien erfolgreich auf das Tool SMS gesetzt hatte. Bereits im Jahr 2005 stützen die argentinischen Umweltschützer eine Lobbby-Kampagne für ein Abfallgesetz, dem “Zero Waste Law”, wesentlich auf die Aktivierung ihrer Unterstützer über SMS-Nachrichten. Damit konnte Greenpeace Unterstützer punktgenau aktivieren um besipielsweise ihre jeweiligen Abgeordneten kurz vor kritischen Debatten anzurufen und diese aufzufordern das Gesetz zu unterstützen. Dies ist teilweise direkt aus den Meetings im Abgeordentenhaus heraus geschehen. Manch einen Abgeordenten erreichten so bis zu 300 Anrufe in einer Stunde. So etwas hat seine Wirkung nicht verfehlt. Das Gesetz hatte die Kammern erfolgreich passiert.

Trotz relativ geringer finanzieller Ressourcen konnte Greenpeace-Argentinien einige Erfolge, nicht zuletzt mit Hilfe des effektiven Tools SMS-Messaging verbuchen. Die Organisation setzt dabei auf ein eigenes “Inhouse-Team” für die Programmierung der entsprechenden Software um mit den Massen-SMS ungehen zu können. Dafür gaben die Greenpeacer ca. 1.000 € im Monat aus. Die Versendekosten konnten mit dem Telekom-Anbieter auf 5 Cent pro Message herunter gehandelt werden.

Die in der Studie beschrieben Kampagnen sind zwar schon 3-5 Jahre alt und die Entwicklung ist mit Twitter, Facebook, etc. rasant voran geschritten, aber dennoch ist das Mobiltelefon für viele Menschen das einzige Instrument um unterwegs in Kontakt mit Arbeitgeber, Kollegen, Familie und Freunden zu bleiben. Daher empfehle ich auch heute noch die Überlegung über das Tool SMS-Messaging und das Mobiltelefon in die Kampagnenplanung einzubeziehen. Greenpeace-Argentinien nutzt das Mobiltelefon auch heute noch für seine Kampagnen.

Der Campaiger

Germanwatch auf der CeBit Green IT

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Die Bedeutung eines Messestandes für NGO-Kampagnen:

cebit-carDie Vorstellungen darüber was Green IT alles sein kann gehen weit auseinander. Während die IT-Industrie gerne die Vorteile der Technik und deren möglichen Beitrag an der CO2-Einsparung, etwa beim Thema Elektro-Mobilität oder Smart-Grids herausstellt, spielen negative Auswirkungen wie die CO2-Emmissionen der Server und der Computer-Schrott sowie die Missachtung der Sozialstandards in den Hersteller-Ländern eine deutlich geringere Rolle. Dies kritisierten auch die Umweltverbände Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Deutsche Umwelthilfe (DUH), Deutscher Naturschutzring (DNR), das Öko-Institut und der ökologische Unternehmerverband B.A.U.M.

cebit-phoneSo war auch das Publikums-Interesse an der Sonderausstellung Cebit-Green-IT vergleichsweise gering. Während sich an anderer Stelle, beispielsweise bei der Deutschen Telekom, die Massen durchwälzten, standen die Vertreterinnen der Entwicklungs- und Umweltorganisation Germanwatch als einzige NGO-Vertreter ziemlich allein auf weiter Flur. Da stellt sich die Frage ob sich der Aufwand für den kleinen Infostand auf einem solchen Event wirklich lohnt?

Hierbei müssen wir berücksichtigen, dass besonders der Aspekt der Sozialstandards noch keinen Zugang zur breiten Öffentlichkeit gefunden hat: Das Thema hat noch keine Konjunktur.

Nach Aussagen der beiden Aktivistinnen am Infostand kam das Interesse vor allem von Medienvertretern. Damit wurde, auch wenn wir die genauen Ziele des Cebit-Einsatzes von Germanwatch nicht kennen, ein wesentlicher Punkt erfüllt. Immerhin berichtete die Fachpresse wie der Branchen-Dienst Heise Online über die Kampagne. Einige Journalisten haben vielleicht zum ersten mal die Möglichkeit genutzt, sich direkt zu informieren. Die Argumente von Germanwatch werden bei anderer Gelegenheit den Weg in die Presse finden.

Das Thema könnte vor dem Sprung in eine größere Medienöffentlichkeit stehen und dazu hat die Germanwatch-Präsenz auf der Cebit sicher einen großen Teil beigetragen.

Auch wenn die Kritiker aus der Umweltecke bei solchen Veranstaltungen kaum im Mittelpunkt stehen werden, ist die Präsenz und Ansprechbarkeit ein wesentliches Element der Kampagne und darf nicht als Einzelevent gesehen oder gar bewertet werden.

Danke Germanwatch!

SMS Kampagnen – Teil 1

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Das Beispiel “Unterschriften für Mindestlohn”

Die Möglichkeiten per SMS zu Spenden wurden hier schon beschrieben. Jetzt folgt ein erster Bericht über weitere Einsatzmöglichkeiten der SMS-Dienste in einer Non-Profit-Kampagne.

Die Idee ist nicht neu. Bereits 2006 experimentierte die Vereinte Dienstleitungsgewerkschaft (Ver.di) mit SMS-Unterschriften. Die Gewerkschafts-Kampaigner suchten gezielt nach einer Möglichkeit konventionelle- und elektronische Medien zu verbinden.

Dazu wurde im Rahmen einer bereits bestehenden Kampagne zum Thema “Mindestlohn” der Gewerkschaften Ver.di und Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) die Web-Site mindestlohn.de entwickelt. Die primär als Online-Kampagne konzipierte Initiative für einen Mindestlohn sollte mit einem möglichst niedrigem Budget bundesweit bekannt gemacht werden und Menschen zum “mitmachen” motivieren. Klassische Werbung über TV und Radio oder flächendeckende Plakatierung über einen längeren Zeitraum hinweg lassen sich i.d.R. mit den für solche Kampagnen zur Verfügung stehenden Budgets nicht realisieren. Zudem würde eine Aufforderung eine Internet-Seite zu besuchen um an einer Aktion teil zu nehmen vermutlich verpuffen, da zwischen Aufruf und der Möglichkeit zu Handeln zu viel Zeit vergeht. Also wurde auf ein verbindendes Medium gesetzt, dass die Verbindung von Offline- zu Online-Kampagne herstellt: Das Mobiltelefon.

Im März 2006 wurden bundesweit für den Zeitraum von zehn Tagen an 4.000 Stellen Großplakate geschaltet. Darauf warben die Gewerkschaften für ihre Mindestlohn-Kampagne und forderten die Leser auf sogleich ihre Zustimmung per SMS kund zu tun. Die Aufforderung bestand darin eine SMS mit dem Stichwort “Mindestlohn”, dem Namen und dem Wohnort an eine Kurzwahlnummer zu senden. Als Anwort bekam der Versender eine automatisch generierte SMS zurück. Darin wurde der Eingang bestätigt und sich für die Unterstützung bedankt. Zudem enthielt die Nachricht den Hinweis darauf, dass der Name des Unterstützers demnächst unter der Internet-Adresse “www.mindestlohn.de” eingetragen wird.

Während des Zeitraums der Plakatierung gaben 7.500 Menschen per SMS ihre “Unterschrift”. Im weiteren Verlauf gingen innerhalb eines Jahres 14.055 SMS-Unterschriften ein. Zum Vergleich gaben im gleichen Zeitraum 11.435 Menschen ihre Zustimmung online auf der Internet-Seite und 117.628 Unterschriften wurden herkömmlich auf papiernen Unterschriften-Listen gesammelt.

Ver.di wertete die Aktion ob ihrer unerwarteten Akzeptanz als Erfolg. “Die Erfahrungen dieser SMS-Aktion zeigen zudem, dass der Transfer von einem Printmedium, hier dem Plakat, über das Moboltelefon per SMS-Abstimmung auf ein Online-Medium, die Homepage der Kampagne, funktioniert hat”, so ein ver.di-Vertreter. Auf Grund der positiven Ergebnisse wurde das Werkzeug auch in anderen Gewerkschafts-Kampagnen eingesetzt.  Beispielsweise in der Kampagne “Genug gespart” gegen weitere Sparmaßnahmen im Öffentlichen Dienst  oder in der IG-Metall-Kampagne “Leiharbeit fair gestalten“.

In Zeiten des iPhones kann man sich den Umweg über die SMS sicher bald sparen aber die Verbindung Aufmerksamkeit auf der Straße zur sofortigen Handlung bleibt interessant.

Ingo Bokermann, Online-Kampaigner

Große Aktion: Menschenkette gegen Atomkraft

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Am 3. Februar, so stand es bei Welt-Online, haben der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt, das Kampagnennetzwerk Campact und die Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad zur Teilnahme an einer 120km langen Menschenkette gegen die Atomkraft aufgerufen. Mit der Anti-Atom-Kette, die am 24. April von Krümmel bis nach Brunsbüttel gehen soll, wollen Kernkraftgegner gegen die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken protestieren. An der Organisation der Aktion beteiligen sich Anti-Atom-Initiativen, Umweltverbände, Gewerkschaften, Parteien wie die SPD, Jugendverbände und weitere Nichtregierungsorganisationen.

Die Aufrufe werden u.a. über greenaction.de und der Kampagnen-Plattform der TAZ verbreitet.

Als Kampaigner fragt man sich, warum gerade diese Aktion – Was ist das Ziel der Aktion, was soll sie symbolisieren und wieviele  Menschen müssen teilnehmen?

Eine 120km lange Menschenkette braucht sehr viele Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Gelingt es weitgehend die Kette zustande zu bringen, wird dadurch Stärke und Entschlossenheit demonstriert und darum geht es – wie bei einem Warnstreik während Tarifverhandlungen. Vielleicht sind die laut FAZ-Online in der Regierungs-Koalition umstrittenen Aussagen von Umweltminister Norbert Röttgen schon leisen Vorahnungen des Umweltministers geschuldet.

Liest man die das Motto in den originalen Aufrufen bei .ausgestrahlt oder in der Presseerklärung von BUND, wird die Frage nach der Symbolisierung schnell beantwortet: Das Motto lautet “KettenreAktion: Atomkraft abschalten!” Also eine “Menschen-Ketten-Reaktion” auf geplante Laufzeit-Verlängerungen der Kernkraftwerke.

Bleibt noch die Frage nach der Teilnehhmerzahl: Bei Wikipedia findet sich eine Liste einiger historischer Ereignisse dieser Art. Beispielsweise haben am 22. Oktober 1983 vermutlich über 400.000 Menschen eine Kette von Stuttgart nach Neu-Ulm gebildet. Das waren einem Bericht der Stuttgarter Zeitung die hier zitiert wird, zufolge 108km. Mit der hohen Teilnehmerzahl wäre mehr möglich gewesen. Eindruckvolle Bilder findet ihr auch hier auf einer privaten Seite.

Organisatorisch ist das jedenfalls eine Herausforderung an das Bündnis. Das sollte unterstützt werden!

Green IT Kampagne zeigt Erfolg

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Kürzlich konntet Ihr hier einen Beitrag über die Wirsamkeit eines Konsumenten-Ratgebers am Beispiel des “Guide to Greener Electronics” lesen. Greenpeace nutzt diesen Ratgeber als Kampagnen-Instrument im Einsatz für umweltfreundliche Elektronik-Artikel.

Nun vermeldet Greenpeace einen weiteren großen Erfolg: Ein neuer Computer ohne toxische Stoffe kommt aus Indien.

Ein Tochterunternehmen der Wipro Ltd, einem der führenden Outsourcing-Anbieter, die Wipro Infotech hat bereits am 28. Januar im indischen Bangalore den Start seines umweltfreundlichen “Wipro Greenware” Desktops angekündigt. Das Gerät werde komplett ohne gefährliche Chemikalien wie PVC (Polyvenylchloride) und BFR (bromierte Flammschutzmittel) hergestellt. Dadurch wird das Recycling von Computer-Schrott deutlich umweltfreundlicher. Die Entwicklung dauerte etwa zwei Jahre. Es ist das erste mal, dass so ein Gerät in Indien produziert werde, so in der Presserklärung von Wipro. Laut Greenpeace International hat Wipro bei der Produktion eines Computers ohne die gefählichsten Stoffe damit die Großen der Branche, wie Dell, Samsung und Lenovo geschlagen. Für Wipro ist es ein Meilenstein auf dem Weg zu einem ökologisch nachhaltigen Unternehmen.

Damit ist ein weiterer Schritt in einer bisher erfolgreich fokussierten Kampagne gelungen. Wir sind gespannt auf die Reaktionen der Mitbewerber. Auf der CeBIT green IT erhoffen wir uns mehr.

Der grüne Online-Campaigner.

Lobbyarbeit ist Teil der Kampagne

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Lobbyist, das klingts ja ziemlich anrüchig. Besonders, wenn man an Menschen wie dem Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber denkt, der ja sich ja derzeit vor Gericht wegen Steuerhinterziehung, wie das Handelsblatt berichtet, verantworten muss.

Dabei hat Lobbyismus nicht per se etwas mit dunklen Machenschaften zu tun. Lobbyismus, oder Interessensvertertung gehört zur Demokratie. Es kommt nur darauf an wie. Für transparente Lobbyarbeit in geregelten Bahnen setzt sich die Berliner Nichtregierungs-Organisation LobbyContol ein. LobbyControl will “Schlaglichter auf die Grauzonen politischer Einflussnahme” werfen und Machenschaften von Lobbygruppen, Denkfabriken, Kommunikationsberater und PR-Agenturen öffentlich machen. Damit die Schreibers und Hunzingers aus der Lobby verschwinden.

Transparente Interessensvertretung ist berechtigt. Sie ist auch ein wichtiger Teil der Arbeit der Nicht-Regierungsorganistionen, beispielweise der Umweltverbände. Die durch erfolgreiche Kampagnen wachgerüttelte Öffentlichkeit ist politisches Kapital, das in konkrete Ergebnisse gemünzt werden will und dazu muss den Regierungsvertretern gesagt werden, was man sich vorstellt. Große NGOs haben in Berlin eine Vertretung, wenn sie nicht ohnehin ihren Sitz in Berlin haben oder sie ziehen über kurz oder lang um, wie der WWF.

Lobby muss aber nicht immer in der Hauptstadt stattfinden. Die entwicklungspolitische Organisation urgewald will die gewählten Volksvertreter im Deutschen Bundestag ansprechen – und zwar in deren Wahlkreis. Weil eine vergleichsweise kleine Organisation wie urgewald so etwas nicht leisten kann, sucht urgewald jetzt “Hobby-Lobbyisten“. Dazu können angehende Lobbyisten bei urgewald einen “Lobby-Leitfaden für Anfänger” bestellen.

Ziel der Lobby-Kampagne ist es, die Hermes-Bürgschaften für Atom-Exporte zu verhindern. Ein schönes Beispiel einer Mitmach-Kampagne, die über das sammeln von Unterschriften und Briefe schreiben hinaus geht.

Viele transparente Lobbyisten, wünscht – der Kampagnen-Berater.

Consumer Guide, Kampagnen-Werkzeug für Green IT

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Dass Computer und andere Artikel aus dem Bereich Konsumenten-Elektronik unter Umweltgsichtspunkten Probleme in sich bergen ist nicht neu. Wegen des hohen Energieverbrauchs stehen Computer und das Internet schon länger in der Kritik, wie die Tagesschau bereits 2008 berichtete. Immer wieder weisen Organisationen wie das Basel Action Network, BAN darauf hin, dass Elektronik-Schrott aus den USA und Europa auf Mülllkippen in Afrika, Indien oder China landet und dort Böden und Trinkwasser verseucht. Den “Grünen Computer” gibt es noch nicht, aber die Enwicklungen laufen. Auf der CeBIT gibt es inzwischen einen eigenen Bereich, der CeBIT green IT 2010 zu dem Thema.

Ein wirksames Kampagnen-Instrument, um schnellere Fortschritte in der Computer-Branche auf dem Weg zu einer “grünen IT” zu erreichen, hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace entwickelt. Gerade ist in Las Vegas die “Consumer Electronics Show“, CES 2010 zu Ende gegangen. Zu Beginn der Show, am 7. Januar hat Greenpeace zum 14. mal (seit August 2006) einen Konsumenten-Ratgeber “Guide to Greener Electronics” veröffentlicht. “Greenpeace lobt Apple, Nokia und Sony-Ericsson” verbreitete die dpa und wurde u.a. von der Zeit-Online aufgegriffen. Gestern, zum Ende der Messe, schrieb die New York Times in ihrer Online-Ausgabe “Green Guide to Electronics Is Disputed, but Influential“. Darin wird die Erfolgsgeschichte des Instrumentes beschrieben.

Aber was macht einen Konsumenten-Ratgeber zu einem erfolgreichen Kampagnen-Element?

Zum einen ist es die Beschränkung auf die 18 größten Hersteller. Das macht den Giude überschaubar und einfacher auf einem stets aktuellen Stand zu halten. Zum anderen sind es die Namen der Hersteller und die eindeutige Zuordnung zu deren Produkten. Wesentlich sind aber die dahinter stehenden Kampagnen. Greenpeace beschränkt sich nicht darauf, eine Liste – oder einen Einkaufsführer – zu veröffentlichen, sondern arbeitet kontinuierlich daran, einzelne Hersteller zu einer Veränderung ihrer Produkte zu drängen. Das Lob an Apple kennzeichnet das  (vorläufige) Ende einer Kampagne gegen Apple, bzw. für ein “grüneres Apple”.

Die Apple-Kampagne wurde mit den Greenpeace typischen Aktionen und anderen Elementen beispielsweise einer speziellen Website, die dem Design der Apple-Website nachempfunden wurde, geführt. Ein weiterer Erfolgsfaktor ist das Image von Apple. Apples Produkte rufen in der Fangemeinde große Emotionen hervor. Das gehört zur Strategie von Apple. Eine solche Marke anzugreifen ist für die Öffentlichkeit viel interessanter als einen Hersteller aus Fernost ohne ein besonderes Image.

Ob sich der Erfolg darum wiederholen lässt, wird sich zeigen. Derzeit steht Samsung im Fokus der aktuellen Kampagne, weil laut Greenpeace gegebene Ankündigungen nicht eingehalten wurden. Mit einer “Twitter-Petition” wollen die Umweltschützer Samsung dazu bewegen, keine giftigen Substanzen mehr einzusetzen. Zur weiteren Unterstützung der  Kampagne können Interessierte hier eine E-Mail an nahezu alle Hersteller mit der Aufforderung auf die schädlichsten Chemikalien zu verzichten senden. Greenpeace informierte übrigens direkt von der “Consumer Electronics Show” in einem Extra-Blog.

Wir freuen uns schon auf die CeBIT.

Die Milch macht’s, Internationale Tagung als Kampagnen-Element

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Gestern erreichte mich eine Einladung der Zukunftsstiftung Landwirtschaft zu einer Tagung mit dem Titel “Die Milch macht´s – Internationale Tagung zur weltweiten Agrarpolitik und Ernährungssouveränität”. Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft verfolgt den ganzheitlichen Ansatz der biologischen Landwirtschaft mit der nachhaltigen Produktion von Lebensmitteln. Träger der Veranstaltung ist der Weltagrarbericht, eine Initiative der auch Organisationen wie der Evangelische Entwicklungsdienst, Misereor oder der Naturschutzbund angehören, unter dem Dach der Zukunftsstiftung.

Das Thema der Tagung ist die Situation der Milchbäuerinnen und -bauern in Ländern der Nord- und Südhalbkugel und mögliche Lösungswege.

Die Veranstaltung findet einen Tag vor der Eröffnung des „Global Forum on Food and Agriculture“, dem „Davos der Landwirtschaft“, wie es Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner letztes Jahr nannte. Somit wird hier der Anlass des Globalen Forums genutzt um zusätzliche Informationen und alternative Ansätze bekannt zu machen.

Solche Veranstaltungen sind oft auch der Auftakt für beginnende Kampagnen. Sie bieten vielfache Möglichkeiten zur Kommunikation mit der Öffentlichkeit. Medienvertreter, Interessierte und Experten haben Gelegenheit sich auf einer solchen Tagung aus erster Hand zu informieren und mit den Vertreterinnen und Vertretern der Verbände zu dikutieren. Schon die Ankündigung und Einladungen sind Kommunikationsmittel und Berichtsanlass für einschlägige Medien. Im Anschluss an die Veranstaltung werden Ergebnisse publiziert und verbreitet.

Tagungen, oder in etwas kleinerer Form – beispielsweise in einer abendlichen Podiumsdiskussion – sind auch für kleine lokale Initiativen ein geeignete Elemente einer Kampagne. Allerdings sollten sie nicht allzu häufig statttfinden, interessante neue Aspekte bieten und in einem professionellem Rahmen durchgeführt werden. Das heisst ein ausreichend großer Raum, vernünftige Akustik und eine gute Moderation. Sicher würde bei einer ein- oder mehrtägigen Veranstaltung eine quasi “Life-Berichterstattung” etwa bei Twitter die Aufmerksamkeit für das Thema erhöhen.

Für Interessierte am Thema: Die Tagung findet am Mittwoch, 13. Januar 2010 bei der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin statt. Hier ist die Anmeldung per E-Mail möglich.

Klare Seite gegen Armut

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Die Europäische Union hat für 2010 das Europäische Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung ausgerufen. Österreichische Sozialverbände haben dazu unter dem Dach der Armutskonferenz eine Protestbrief-Kampagne gestartet. Bürgerinnen und Bürger werden aufgefordert einen Brief, bzw. eine E-Mail an den Finanzminister Österreichs Josef Pröll und den Kanzler Werner Faymann zu schreiben und darin die Forderungen der Armutskonferenz zu unterstützen.

Das besondere daran ist die Internet-Site, die zu diesem Zweck eingerichtet wurde und zielgerichtet optimiert wurde. Angelehnt an die Form einer Landing Page aus dem E-Commerce zeichnet sich die Seite durch eine eigene Domain gegen.armut.at aus. Unter dem Titel “Armut bekämpfen, Armut vermeiden!” findet der Besucher eine einzige Seite, die knapp über das Anliegen informiert und ohne weitere Ablenkung zur Aktion aufruft. Alles auf einer Seite. Im Zentrum steht das Anschreiben. Wer mehr zum Thema wissen möchte, findet Links mit denen ein neues Fenster geöffnet wird – die eigentliche Seite bleibt erhalten. Schließlich soll der Besucher nicht vergessen seinen Protestbrief abzuschicken.

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