Jul 19
Mein Engagement als Kampagnen-Leiter bei den Hamburger Schulreformbefürwortern, den Schulverbesserern, ist beendet und das Ergebnis eindeutig: Hamburgs Wähler lehnen sechs Jahre gemeinsames Lernen in einer sogenannten Primarschule ab. Damit ist die Kampagne verloren. Kann man aus einer verlorenen Kammpagne etwas lernen? Aber ja – jede Menge. Aber dazu ist es noch zu früh. Jetzt gilt es erstmal die Wunden zu lecken und Mut zu machen. Dafür gibt es durchaus Gründe.
Eine kleine Geschichte:
Mitte der Achtziger Jahre erschienen in der Weltpresse immer häufiger Berichte, nach denen giftige Abfälle aus reichen Industrienationen in arme Länder der sogenannten Dritten Welt exportiert wurden. Bereits 1986 wurden 163 Millionen Tonnen Müll exportiert. Die Umweltschutz-Organisation Greenpeace, zu der ich damals gestoßen bin, begann einzelne Fälle aufzudecken: Über mit Giftmüll beladene Geisterschiffe, die auf den Meeren dümpelten und keinen Hafen mehr anlaufen durften. Oder über nigerianische Hinterhöfe voller Giftmüll-Fässern aus Europa.
1989 wurde die “Basler Konvention zur Regelung des internationalen Handel mit toxischen Abfällen” ins Leben gerufen. Das von uns geforderte Exportverbot für Giftmüll aus reichen Industrienation in ärmere Länder kam nicht zustande. Es wurden lediglich ein paar leicht zu umgehende Regularien beschlossen. Zu den großen Verhinderern gehörten ausgerechnet die beiden deutschen Staaten DDR und BRD, die ihren “innerdeutschen” Handel ungehindert weiter betreiben wollten.
Wir änderten unsere Strategie. Mit großem Recherche-Aufwand gelang es einen Giftmüllskandal nach dem anderen aufzudecken. Das Thema beherrschte schon nach ein paar Monaten die Medien. Der Mauerfall brachte immer wieder neue Fälle ans Licht. Gleichzeitig verstärkte Greenpeace die Lobbyarbeit in den betrofffenen Ländern – und war erfolgreich. Ein Land nach dem anderen erließ ein Importverbot für Giftmüll, regionale Konventionen wie die von Bamako oder Cartagena nahmen die Importverbote in ihre Verträge auf. Schon 1992 haben 88 Staaten ein generelles Importverbot für Giftmüll verhängt. Im März 1994 kam der große Erfolg. Nach mehrfach erfolglosen Versuchen beschließen die Mitglieder des Basler Übereinkommens im Konsens ein generelles Exportverbot für Giftmüll aus dem Gebiet der OECD-Mitgliedssaaten in das Gebiet der Nicht-Mitglieder. Es dauerte noch einige Jahre bis der Beschluss welteit in geltendes Recht umgesetzt war. Das Übereinkommen hat bis heute Bestand.
Der verlorene Volksentscheid um die Primarschule könnte auch der Anfang einer Erfolgsgeschichte werden …
Feb 19
Übernächste Woche (vom 2. bis 6. März) öffnet die diesjährige CeBIT ihre Pforten. Ein Teil der Messe gehört der CeBIT green IT. Zu den Themen der Green IT zählen die Organisatoren zwar den Bereich CO2 Einsparung, aber die Energiegewinneung spielt noch keine Rolle. Weiter gefasst sehen es die Macher des Non-Profit-Book-Projektes Greening.IT. In einer Mindmap stellen sie die weitere Umwelt von Green IT dar. Ähnlich sehen es auch die inzwischen fast 4.0000 Mitglieder der Facebook-Gruppe “We want Facebook to use clean energy, not coal”. Über die Kampagne habe ich schon berichtet.
Auf dem social network Xing gibt es eine Fachgruppe zu Green IT und die Bundesregierung fördert Green IT Projekte im Rahmen des Konjunkturpaketes II. Interessantes rund um das Thema nachhaltige IT findet man verständlich aufbereitet auf dem nachhaltige-IT-Blog.
Ohne Zweifel ein großes Thema, dem sich die Nicht-Regierungsorganisation in Deutschland, anders als beispielsweise in den USA, eher zaghaft nähern.
Die Organiastion WEED mit Sitz in Bonn und in Berlin widmed sich mit ihrer Kampagne PC Global dem Aspekt Arbeits- und Menschenrechte in der IT-Industrie. Die Kampagne PC Global zielt auf die öffentliche Beschaffung am Beispiel Hochschulen. Ein Aktionsseminar organisiert WEED im Vorfeld zur CeBIT vom 26. bis 28 Februar. Ein besseres Forum, als die Messe mit der versammelten globalen IT-Industrie, wird man wohl kaum finden.
Beispielhafte Leuchtturm-Projekte werden auf eine Extra-Seite der Deutschen Umwelthilfe vorgestellt. Auf dem ökologischen Verbraucher-Portal Utopia gibt die Utopia-Stiftung Tipps zum umweltgerechten Umgang mit “Consumer-Elektronics”.
Wir sind gespannt, was das “Rahmenprogramm” der CeBIT an Aufmerksamkeit bringen wird.
Feb 17
Online Beteiligungsverfahren des BMU:
Mit einer Videobotschaft hat Katharina Reiche, Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, das Online-Bürgerbeteiligungs-Portal Mitreden-U zur Debatte um die deutsche Nachhaltigkeits-Strategie eröffnet. Einen Monat lang, bis zum 17. März, können Bürgerinnen und Bürger auf dem Portal eigene Beiträge veröffentlichen oder andere kommentieren und bewerten. Die wichtigsten Themen sollen anschließend mit ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern, Vertretern von Verbänden und des Umweltministeriums weiter diskutiert werden. “Die Ergebnisse sollen in die Diskussion um die Themensetzung des Fortschrittsbericht 2012 zur deutschen Nachhaltigkeitsstrategie eingebracht werden”, so Frau Reiche in einer Presseerklärung.
Auf der Dialog-Seite heisst es: “In dem Fortschrittsbericht steht nicht nur, was die Bundesregierung auf dem Weg zu einem nachhaltigen Deutschland bisher erreicht hat, sondern auch in welchen Bereichen sie zukünftig besonders aktiv wird und welche konkreten Ziele sie erreichen möchte.” Moderiert wird der Dialog von der Agentur Zebralog, die mit Bürgerbeteiligungen erfahren ist und für Ihr Verfahren am Kölner Bürgerhaushalt mit dem zweiten Platz des „UN Public Service Award“ der Vereinigten Nationen ausgezeichnet wurde.
Um eine Kampagne geht es dabei eigentlich nicht, vielmehr das um Thema Bürgerbeteiligung im Online-Verfahren. Mit dieser Form der Bürgerbeteiligung betritt das Umweltministerium Neuland. Kampaigner und Lobbyisten werden sicher darauf achten, dass “ihr” Thema einen prominenten Platz bekommt. Der Naturschutzbund, NABU hat schon vor einigen Tagen auf das Verfahren hingewiesen.
Wer aktiviert die meiste Online-Beteiligung?
Feb 11
Als bekennender Fan knackiger Gitarren-Klänge und ganz besonders des Streifens “It might get Loud” von Davis Guggenheim, musste ich unbedingt auf folgende Meldung im Spigel-Online klicken: “Soundtrack zum Kriegsdienst – US-Luftwaffe zieht White-Stripes-Spot zurück”.
Jack White ist neben Jimmy Page und The Egde einer der drei Gitarren-Protagonisten in der filmischen Huldigung an die E-Gitarre.
Anfang Februar hatte die US-Luftwaffe während der Übertragung der NFL Super Bowl einen Werbespot zur Rekrutierung von Soldaten ausgesstrahlt und in diesem den Sound von Meg und Jack White verwendet. An sich ist das nichts besonderes, hätte die Luftwaffe nicht vergessen die Urheber, nämlich die White-Geschwister um Erlaubnis zu fragen. Diese haben nun protestiert gegen die unerlaubte Verwendung ihrer Musik für einen Zweck, nämlich der Rekrutierung für einen Krieg, den sie nicht unterstützen.
Kein Problem für die Marketing-Experten der Luftwaffe. Der Spot wird zurückgezogen.
Urheberrechte werden leider alltäglich verletzt. Das geschieht unter Umständen auch für für einen “Guten Zweck”. Um zu verhindern, das außer der US-Luftwaffe beispielweise auch “Grüne Aktivisten” im Internet für eine Kampagne Urheberrechte verletzen, warnt Greenpeace auf der Kampagnen-Plattform greenaction.de in dem aktuellen Beitrag “wichtige Infos zum Urheberrecht” vor der Verletzung.
Nicht unbedingt als Pazifist, aber als Fan von The White Stripes und dem Urheber-Recht unterstreiche ich dies hiermit fett, Ingo Bokermann.
Jan 28
Die Beobachtung des Internets, insbesondere des »Social Webs«, wird für Unternehmen, Verbände und Institutionen immer wichtiger, ist aber gleichzeitig schwierig und erfordert spezifisches Know-how. Kaum jemand weiß, wie sich Erfolge im Internet manifestieren und messen lassen. Zu intransparent ist oft das neue Medium, zu verworren die Meinungsbildung in der unübersehbaren Zahl von Mikro-Öffentlichkeiten. Die Unkontrollierbarkeit der Ausbreitung von Meinungen ist von den »Marktteilnehmern« gefürchtet, doch bislang kaum systematisch untersucht worden. Selten wird eine professionelle Software verwendet und selbst dann stellt sich noch die Frage nach der Auswertung der unüberschaubaren Datenmenge. Hier setzt das Web-Monitoring an, das sämtliche Kommunikationsprozesse im Internet wissenschaftlich analysiert und den Beteiligten ein Instrument für die Planung, Realisierung und Bewertung ihrer Internetaktivitäten zur Verfügung stellt. Im vorliegenden Sammelband beleuchten Wissenschaftler, IT-Spezialisten und Manager dieses spannende Feld und geben ihre Erkenntnisse und Erfahrungen weiter. Sie gehen auf die Zielsetzung des Meb-Monitorings ein, stellen verschiedene Methoden vor und liefern Tools und Kennzahlen, mit denen sich die Ergebnisse analysieren und bewerten lassen. Einige Best-Practice-Beispiele für gelungenes Web-Monitoring runden den Band ab.
Warum ich für dieses Buch werbe? Weil es ein gelungenes Werk zum Thema ist – und weil ich mit einem Beitrag über das Thema Online-Forschung für Online-Kampagnen in Verbänden? beteiligt war.
Dec 24
Kampagnen und Aktionen brauchen Anlässe. Oft steht am Ende einer Kampagne ein finales Ereignis, wie beispielsweise der Klimagipfel von Kopenhagen. Bieten sich keine bestehenden Ereignisse an, muss man sich welche schaffen. Zum Beispiel ein Protestmarsch wie dieser unter dem Motto “The Wave“. Andere Möglichkeiten bieten Jubiläen oder jährlich wiederkehrende Ereignisse.
Gerade haben die Naturschutzstiftung des nordrhein-westfälischen BUND-Landesverbandes und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) den Schönbär (Callimorpha dominula) zum Schmetterling des Jahres 2010 gekürt. Ein alljähliches Ereigniss über das Journalisten wie z.B. hier in der Süddeutschen Zeitung ausfühlich berichten. Ähnlich verhält es sich mit der Umweltliste, die der Verkehrsclub Deutschland (VCD) jedes Jahr im Sommer veröffentlicht. Allerdings braucht es etwas Geduld für solch ein wiederkehrendes Ereignis. Es dauert einige Jahre bis so etwas wie die Kür zum Schmetterling des Jahres, Vogel des Jahres, Baum des Jahres etc. einen festen Platz im Terminkalender der Journalisten bekommt.
Übrigens setzt die mit Öffentlichkeits-Kampagnen sehr erfahrene Katholische Kirche schon immer auf solch alljährlich wiederkehrenden Ereignissse.
Frohe Weihnachten, Ihr Kampagnen-Berater.
Dec 23
Weihnachtszeit ist immer auch Spendenzeit. Spendenaufrufe und Mailings füllen unsere Briefkästen. Für gemeinnützige Organisationen, die ja schließlich von diesen Spenden ihre Programme bestreiten müssen ist das eine bedeutende Phase im Jahr. Da hilft es besonders, wenn man es schafft zusätzlich zu den Spendenbriefen in den Medien präsent zu sein. Also eine gute Aktion oder ein Aufruf passt sehr gut ins Kalkül der Fundraiser. Ich könnte mir gut vorstellen, dass der Klimagipfel so kurz vor den Festtagen dazu beigetragen hat, dass in diesem Jahr die Umweltschutzorganisationen einen etwas größeren Anteil am Spendenkuchen bekommen werden.
Den Anlass “Weihnachten” versucht die Umweltstiftung WWF noch anders zu nutzen. Am 22. Dezember veröffentlichte der WWF eine Kritik über Anbaumethoden bei Mandeln und Haselnüssen. Besonders der unnötigerweise intensive Wasserverbrauch in den Anbauländern am Mittelmeer wird angeprangert und mit der Forderung verbunden Agrar-Subventionen der EU an eine nachweislich legale und nachhaltige Bewässerung zu koppeln.
Ein Bespiel für den gut gewählten Zeitpunkt für die Darstellung umwelt-politischer Arbeit – und den Spendensammlern beim WWF wird es recht sein.
Dec 22
Wie die Online-Ausgabe der “Neuen Westfälischen” meldet, schließt die Warburger Zuckerfabrik ihre diesjährige Rübenkampagne erfolgreich ab. Als Rübenkampagne bezeichnet die Zuckerindustrie die Zeit, zu der die Rübenbauern ihre Ernte in die Zuckerfabrik zur Verarbeitung bringen. Die Polizeit warnt die Autofahrer regelmäßig vor erhöhtem Treckerverkehr auf den Strassen. In der Regel beginnt die Rübenkampagne im September und endet im Dezember.
Neulich habe ich ein Zitat gehört. Demnach gäbe es keinen Menschen auf der Welt, von dem man nicht noch etwas lernen könnte. Also – was lernen wir von den Rübenbauern? Richtig! Eine Kampage hat einen Beginn und ein Ende – Kampagnen sind zeitlich begrenzt. Das ist nicht ganz unwichtig und wird längst nicht überall beherzigt. Zum Beispiel die Mindestlohn-Kampagne der Dienstleistungsgewerkschaft verdi wurde bereits im Jahr 2006 gestartet. In diesem Jahr nannte verdi die Kampagne “Mindestlohn09″. Eine zeitliche Begrenzung wird durch den Zusatz “09″ noch nicht erzeugt.
Hilfe für den reibungslosen Ablauf eurer Rübenkampagne gibt es übrigens hier.
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