Dec 28
Noch eine kleine Nachlese vom Sommer.
Im vergangenen Sommer hat sich einiges in Sachen Kampagnen-Plattformen getan. Neben greenaction.de von Greenpeace startete die NAJU mit wild-will-dich.de. Die NAJU ist die Naturschutzjugend des Naturschtuzbundes NABU. Junge Menschen sind wild hat man sich dort gesagt, was liegt also näher als dass sich junge Wilde für eine wilde Umgebung einsetzen. So lautet dann auch der Titel der Kampagne: “Wildes Land Deutschland”, kurz Wi.L.D.
Es geht natürlich weniger um das Leben der Jugendlichen, sondern um das der Fledermäuse und Bäume. Der Schutz und Erhalt von Kulturlandschaften, z.B. von alten Parkanlagen in der Nachbarschaft ist das Ziel der Kampagne. Jugendliche und junge Erwachsene sollen für diese Lebensräume sensibilisiert werden und sich für deren Schutz engagieren. Das Ganze in einem Wettstreit mit Gleichgesinnten.
Uns interessiert natürlich der der Onlineaspekt: Die Wilden finden und vernetzen sich auf der Platform wild-will-dich.de und tauschen ihr Wissen in einem Naturschutz-Wiki aus. Dort finden sie auch Anregungen für ihre Aktionen und ein Punktekatalog damit die TeilnehmerInnen den Wert ihrer Aktivitäten einschätzen können.
Im Gegensatz zu anderen Plattformen wie greenaction.de oder campact.de ist wild-will-dich.de nur für dieses eine Projekt gedacht. Der Fokus ermöglicht den InitiatorInnen zielgerichtet ihr Projekt zu bewerben, was auch schon eifrig getan wurde. So zum Beispiel online auf myspace.com/wildwilldich und offline auf dem Highfield-Festival am vorletzten August-Wochenende.
Durch die zeitliche Befristung und den Kampagnen-Abschluss im Juli 2010 mit einer Preisvergabe wird ein finaler Punkt gesetzt. So sollen Kampagnen sein. Start der Kampagne war übrigens zur diesjährigen European Bat Night am 29. August.
Dec 24
Kampagnen und Aktionen brauchen Anlässe. Oft steht am Ende einer Kampagne ein finales Ereignis, wie beispielsweise der Klimagipfel von Kopenhagen. Bieten sich keine bestehenden Ereignisse an, muss man sich welche schaffen. Zum Beispiel ein Protestmarsch wie dieser unter dem Motto “The Wave“. Andere Möglichkeiten bieten Jubiläen oder jährlich wiederkehrende Ereignisse.
Gerade haben die Naturschutzstiftung des nordrhein-westfälischen BUND-Landesverbandes und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) den Schönbär (Callimorpha dominula) zum Schmetterling des Jahres 2010 gekürt. Ein alljähliches Ereigniss über das Journalisten wie z.B. hier in der Süddeutschen Zeitung ausfühlich berichten. Ähnlich verhält es sich mit der Umweltliste, die der Verkehrsclub Deutschland (VCD) jedes Jahr im Sommer veröffentlicht. Allerdings braucht es etwas Geduld für solch ein wiederkehrendes Ereignis. Es dauert einige Jahre bis so etwas wie die Kür zum Schmetterling des Jahres, Vogel des Jahres, Baum des Jahres etc. einen festen Platz im Terminkalender der Journalisten bekommt.
Übrigens setzt die mit Öffentlichkeits-Kampagnen sehr erfahrene Katholische Kirche schon immer auf solch alljährlich wiederkehrenden Ereignissse.
Frohe Weihnachten, Ihr Kampagnen-Berater.
Dec 23
Weihnachtszeit ist immer auch Spendenzeit. Spendenaufrufe und Mailings füllen unsere Briefkästen. Für gemeinnützige Organisationen, die ja schließlich von diesen Spenden ihre Programme bestreiten müssen ist das eine bedeutende Phase im Jahr. Da hilft es besonders, wenn man es schafft zusätzlich zu den Spendenbriefen in den Medien präsent zu sein. Also eine gute Aktion oder ein Aufruf passt sehr gut ins Kalkül der Fundraiser. Ich könnte mir gut vorstellen, dass der Klimagipfel so kurz vor den Festtagen dazu beigetragen hat, dass in diesem Jahr die Umweltschutzorganisationen einen etwas größeren Anteil am Spendenkuchen bekommen werden.
Den Anlass “Weihnachten” versucht die Umweltstiftung WWF noch anders zu nutzen. Am 22. Dezember veröffentlichte der WWF eine Kritik über Anbaumethoden bei Mandeln und Haselnüssen. Besonders der unnötigerweise intensive Wasserverbrauch in den Anbauländern am Mittelmeer wird angeprangert und mit der Forderung verbunden Agrar-Subventionen der EU an eine nachweislich legale und nachhaltige Bewässerung zu koppeln.
Ein Bespiel für den gut gewählten Zeitpunkt für die Darstellung umwelt-politischer Arbeit – und den Spendensammlern beim WWF wird es recht sein.
Dec 22
Wie die Online-Ausgabe der “Neuen Westfälischen” meldet, schließt die Warburger Zuckerfabrik ihre diesjährige Rübenkampagne erfolgreich ab. Als Rübenkampagne bezeichnet die Zuckerindustrie die Zeit, zu der die Rübenbauern ihre Ernte in die Zuckerfabrik zur Verarbeitung bringen. Die Polizeit warnt die Autofahrer regelmäßig vor erhöhtem Treckerverkehr auf den Strassen. In der Regel beginnt die Rübenkampagne im September und endet im Dezember.
Neulich habe ich ein Zitat gehört. Demnach gäbe es keinen Menschen auf der Welt, von dem man nicht noch etwas lernen könnte. Also – was lernen wir von den Rübenbauern? Richtig! Eine Kampage hat einen Beginn und ein Ende – Kampagnen sind zeitlich begrenzt. Das ist nicht ganz unwichtig und wird längst nicht überall beherzigt. Zum Beispiel die Mindestlohn-Kampagne der Dienstleistungsgewerkschaft verdi wurde bereits im Jahr 2006 gestartet. In diesem Jahr nannte verdi die Kampagne “Mindestlohn09″. Eine zeitliche Begrenzung wird durch den Zusatz “09″ noch nicht erzeugt.
Hilfe für den reibungslosen Ablauf eurer Rübenkampagne gibt es übrigens hier.
Dec 21
Das Internet wird zum zentralen Medium für NGO-Kampagnen.
Noch sitzt der Frust tief über das (Nicht)Ergebniss des Weltklimagipfels von Kopenhagen. Nicht nur die vielen AktivistInnen, die in den vergangenen Monaten für ein globales Klimaabkommen geworben haben sind enttäuscht, auch große Teile der Öffentlchkeit – glaubt man den Pressestimmen auf Eurotopics. Ob die zwei-wöchige Veranstaltung den Grundstein für eine neue Weltklimaordnung gelegt hat, wie es deutsche Regierungsmitglieder jetzt glauben machen möchten, wird sich erst noch zeigen.
Ein globales Ereigniss war der Gipfel in jedem Fall, und das ganz wesentlich Dank des Internets. Das Internet ist nicht nur Motor der Globalisierung sondern auch Medium des globalen Bürgers. Viele Millionen Klimaschutz-Stimmen der Weltbürger haben hunderte von Organisationen, Medien und Unternehmen mit Hilfe des Web2.0 in den vergangenen Monaten gesammelt. Eine beeindruckende Liste vieler aktiven Organisationen und deren Kampagnen erhält man, wenn man einen Blick auf die Liste der Twitter-Follower des Online-Magazins Wir-Klimaretter ansieht.
Die größten Stimmensammler waren beim Worlwide Fund for Nature, WWF und seinen vielen Partnern unterwegs. Unter dem Motto Vote Earth und Hopenhagen wurden so ca. sechs Millionen Stimmen organisiert. Sie wurden am 16. Dezember dem UN-Gernerasekretär Ban Ki-Moon mit einer 350 Gigabyte großen Festplatte übergeben. Hopenhagen wurde übrigens mit Partnern wie Coca-Cola, Siemens, SAP und BMW betrieben. Eine weitere Stimmensammel-Kampgne auf der Seite von Tcktcktck brachte es auf ca. 15 millionen Stimmen. Tcktcktck besteht aus einer globalen Koalition vieler Verbände, darunter wieder der WWF, World Vision Australia und Greenpeace International, letztere mit einer schönen Animation zum basteln des eigenen Protestpaketes.
An einem bundesweiten Aktionstag startete die deutsche Sektion von Greenpeace am 5. Dezember eine andere Stimmensammel-Aktion. Auch die Greenpeace-AktivisInnen sind nicht mehr mit Kugelschreiber und grauen Papier unterwegs, aber immerhin noch mit Infoständen. Unter dem Motto “Twittern mehr Klimaschutz” haben ehrenamtliche AktivistInnen von Greenpeace kleine “Twitterbeiträge” gesammelt. Auf einer sogenannten “Twitterwall”
einem großen LCD-Bildschirm, konnten Passanten auf dem Pariser Platz in Berlin life die Beiträge mitlesen. Das ging natürlich auch dirkt bei greenaction, der Aktionsplatform von Greenpeace. Auf diese Weise konnten nicht nur Menschen mit Twitter-Account teilnehmen. Auch Menschen, die über keinen solchen Account verfügen und gerne – wie früher am Infostand – Ihren Protest kundtun wollten, waren eingebunden. Die Greenpeace-Eherenamtlichen haben die Botschaften dann direkt am Stand in den Laptop gehackt.
Schauen wir nochmal kurz auf die Insel. Eine breite Koalition aus über 100 Organisationen hat sich in UK und Irland formiert. Unter der sich “Stop Climate Chaos Coalition” nennenden Gemeinschaft befinden sich Organisdationen wie Christianaid, cafod, Friends of the Earth, Oxfam, Greenpeace, WWF und UNICEF. Mit dem Banner “The Wave” haben sie für den “größten Klimawandel Protestmarsch, der nach eigenen Angaben je stattgefunden hat” getrommelt. Die Protestveranstaltungen fanden am 5. Dez. u.a. in London, Dublin, Belfast und auch Glasgow statt.
Für die Veranstaltung wurde u.a. mit einer Online-Welle geworben. Auf einer eigens eingerichteten Web-Site “The Wave“ konnten Aktivistinnen und Symphatisantinnen Teil einer globalen Welle werden, indem sie als Einzelpersonen oder in Gruppen “Die Welle” von links nach rechts darstellten und sich dabei gefilmt haben. Die kleinen Filmchen wurden dann auf die Seite hochgeladen und konnten per Mausklick über Twitter, Facebool oder per E-Mail verteilt werden.
Mit den Aktivitäten vor und zum Weltklimagipfel muss die Bedeutung des Internets für künftige Kampagnen-Arbeit neu bestimmt werden. Waren bisher Internet-Kampagnen mehr oder weniger Anhängsel der für die “reale Welt” gedachten Kampagnen oder nur für AktivistInnen der “Digital Natives” von Bedeutung, werden sie künftig im Mittelpunkt stehen müssen. Besonders dann, wenn der Kampagnen-Anlass ein globaler wie der Weltklima-Schutz ist.
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