Jul 19
Mein Engagement als Kampagnen-Leiter bei den Hamburger Schulreformbefürwortern, den Schulverbesserern, ist beendet und das Ergebnis eindeutig: Hamburgs Wähler lehnen sechs Jahre gemeinsames Lernen in einer sogenannten Primarschule ab. Damit ist die Kampagne verloren. Kann man aus einer verlorenen Kammpagne etwas lernen? Aber ja – jede Menge. Aber dazu ist es noch zu früh. Jetzt gilt es erstmal die Wunden zu lecken und Mut zu machen. Dafür gibt es durchaus Gründe.
Eine kleine Geschichte:
Mitte der Achtziger Jahre erschienen in der Weltpresse immer häufiger Berichte, nach denen giftige Abfälle aus reichen Industrienationen in arme Länder der sogenannten Dritten Welt exportiert wurden. Bereits 1986 wurden 163 Millionen Tonnen Müll exportiert. Die Umweltschutz-Organisation Greenpeace, zu der ich damals gestoßen bin, begann einzelne Fälle aufzudecken: Über mit Giftmüll beladene Geisterschiffe, die auf den Meeren dümpelten und keinen Hafen mehr anlaufen durften. Oder über nigerianische Hinterhöfe voller Giftmüll-Fässern aus Europa.
1989 wurde die “Basler Konvention zur Regelung des internationalen Handel mit toxischen Abfällen” ins Leben gerufen. Das von uns geforderte Exportverbot für Giftmüll aus reichen Industrienation in ärmere Länder kam nicht zustande. Es wurden lediglich ein paar leicht zu umgehende Regularien beschlossen. Zu den großen Verhinderern gehörten ausgerechnet die beiden deutschen Staaten DDR und BRD, die ihren “innerdeutschen” Handel ungehindert weiter betreiben wollten.
Wir änderten unsere Strategie. Mit großem Recherche-Aufwand gelang es einen Giftmüllskandal nach dem anderen aufzudecken. Das Thema beherrschte schon nach ein paar Monaten die Medien. Der Mauerfall brachte immer wieder neue Fälle ans Licht. Gleichzeitig verstärkte Greenpeace die Lobbyarbeit in den betrofffenen Ländern – und war erfolgreich. Ein Land nach dem anderen erließ ein Importverbot für Giftmüll, regionale Konventionen wie die von Bamako oder Cartagena nahmen die Importverbote in ihre Verträge auf. Schon 1992 haben 88 Staaten ein generelles Importverbot für Giftmüll verhängt. Im März 1994 kam der große Erfolg. Nach mehrfach erfolglosen Versuchen beschließen die Mitglieder des Basler Übereinkommens im Konsens ein generelles Exportverbot für Giftmüll aus dem Gebiet der OECD-Mitgliedssaaten in das Gebiet der Nicht-Mitglieder. Es dauerte noch einige Jahre bis der Beschluss welteit in geltendes Recht umgesetzt war. Das Übereinkommen hat bis heute Bestand.
Der verlorene Volksentscheid um die Primarschule könnte auch der Anfang einer Erfolgsgeschichte werden …
Apr 25
Riesenerfolg gegen den Wiedereinstieg in die Atomkraft
Sollte Jemand geglaubt haben, die Anti-Atom-Bewegung sei auf einen kleinen Rest geschrumpft, wurde er am Samstag aus seiner Träumerei gerissen. “Die Deutsche Atombewegung ist wieder da” stand in der Online-Ausgabe der Welt. Es war eine der größten Protestaktionen gegen Atomkraft in Deutschland: Rund 120.000 Demonstranten reihten sich in eine 120 Kilometer langen Menschenkette zwischen Brunsbüttel und Krümmel ein. Anders als in den 70er- und 80er-Jahren dominierte demonstrative Friedfertigkeit, war weiter bei Welt-Online zu lesen. “Sigmars Show” kommentierte Stern.de die kurzzeitige Rot-Grüne Koalition bei Elmshorn: Für 46 Minuten stehen SPD-Chef Sigmar Gabriel und die Grünen-Fraktionsvorsitzenden Jürgen Trittin und Renate Künast an diesem Samstag Seit‘ an Seit‘ auf der Bundesstraße 431. Weit über 100 Beiträge spuckt Google-News zu dem Thema aus.
Seit der Anküdigung am 3. Februar – wir haben berichtet – liefen die Mobilisierungs-Kampagnen auf hochtouren. Mit Spots, Flyern, Plakaten, Infoveranstaltungen und im Web 2.0 haben die Organisatoren, beteiligten Verbände, Gewerkschaften, Kirchen und Parteien ihre Anhänger an die Elbe gebracht.
Einzig allein FDP-Chef Guido Westerwelle gab sich laut Reuters unbeeindruckt. Er respektiere die Proteste. “Trotzdem werden wir eine andere Politik machen, weil dies richtig für Deutschland ist”, sagte er am Sonntag auf dem FDP-Parteitag in Köln. Wie er seine “andere” Politik angesichts dieser Machtdemonstration der Umweltbewegung durchsetzen will, muss er noch erläutern.
Aus Sicht der Kampagnenmacher war diese Aktion sicher nicht ganz ohne Risiko. Allein schlechtes Wetter hätte die Teilnehmerzahl schon deutlich reduzieren können. Eine Menschenkette mit großen Rissen? Das hätte auch nach hinten losgehen können und zu einer Ohnmachts-Demonstration werden können. Aber was soll dieses Gerede? Man muss sich eben seiner Sache sicher sein!
Mar 18
Beispiel: Greenpeace Argentinien
Bei meinen Recherchen zum Thema SMS im Einsatz für Non-Profit-Kampagnen bin ich auf eine Studie der United Nations Foundation und der Vodafone Group Foundation gestoßen. Die Publikation enthält u.a. eine Fallbeschreibung des SMS-Einsatzes bei Greenpeace Argentinien, die ich hier zusammen gefasst wieder gebe:
Im Jahr 2007 stand in Argentinien ein Gesetz zum Schutz der Urwälder (La Ley de Bosques) zur Entscheidung an. In einer Kampage zur Unterstützung des Gesetzes hat Greenpeace Argentinien neben TV und Internet auch massiv auf das Mobiltelefon gesetzt. Die Greenpeace-Lobbykampagne basierte wesentlich auf einer umfangreichen Datenbank mit Untertützern. Über ein Formular auf der eigenen Web-Site, über direkte Kontakte in Fußgängerzonen und über E-Mails konnte Greenpeace eine beeindruckende Telefonliste von ca. 350.000 Mobiltelfonnutzern zusammenstellen.
Am Ende der Kampagne haben 1.5 Millionen Menschen die Petition zur Unterstützung des Urwaldgesetzes unterschrieben. Dabei wurde das Mobiltelefon auf verschiedene Arten für die Kampagne genutzt: Etwa 3.000 Unterschriften wurden beispielsweise direkt per SMS gesammelt. Eine besondere Unterstützer-Gruppe hatte Greenpeace die Erlaubnis erteilt, ihnen gezielt Nachrichten per SMS zu senden.
Es war nicht das erste mal, dass Greenpeace-Argentinien erfolgreich auf das Tool SMS gesetzt hatte. Bereits im Jahr 2005 stützen die argentinischen Umweltschützer eine Lobbby-Kampagne für ein Abfallgesetz, dem “Zero Waste Law”, wesentlich auf die Aktivierung ihrer Unterstützer über SMS-Nachrichten. Damit konnte Greenpeace Unterstützer punktgenau aktivieren um besipielsweise ihre jeweiligen Abgeordneten kurz vor kritischen Debatten anzurufen und diese aufzufordern das Gesetz zu unterstützen. Dies ist teilweise direkt aus den Meetings im Abgeordentenhaus heraus geschehen. Manch einen Abgeordenten erreichten so bis zu 300 Anrufe in einer Stunde. So etwas hat seine Wirkung nicht verfehlt. Das Gesetz hatte die Kammern erfolgreich passiert.
Trotz relativ geringer finanzieller Ressourcen konnte Greenpeace-Argentinien einige Erfolge, nicht zuletzt mit Hilfe des effektiven Tools SMS-Messaging verbuchen. Die Organisation setzt dabei auf ein eigenes “Inhouse-Team” für die Programmierung der entsprechenden Software um mit den Massen-SMS ungehen zu können. Dafür gaben die Greenpeacer ca. 1.000 € im Monat aus. Die Versendekosten konnten mit dem Telekom-Anbieter auf 5 Cent pro Message herunter gehandelt werden.
Die in der Studie beschrieben Kampagnen sind zwar schon 3-5 Jahre alt und die Entwicklung ist mit Twitter, Facebook, etc. rasant voran geschritten, aber dennoch ist das Mobiltelefon für viele Menschen das einzige Instrument um unterwegs in Kontakt mit Arbeitgeber, Kollegen, Familie und Freunden zu bleiben. Daher empfehle ich auch heute noch die Überlegung über das Tool SMS-Messaging und das Mobiltelefon in die Kampagnenplanung einzubeziehen. Greenpeace-Argentinien nutzt das Mobiltelefon auch heute noch für seine Kampagnen.
Der Campaiger
Mar 09
Die Bedeutung eines Messestandes für NGO-Kampagnen:
Die Vorstellungen darüber was Green IT alles sein kann gehen weit auseinander. Während die IT-Industrie gerne die Vorteile der Technik und deren möglichen Beitrag an der CO2-Einsparung, etwa beim Thema Elektro-Mobilität oder Smart-Grids herausstellt, spielen negative Auswirkungen wie die CO2-Emmissionen der Server und der Computer-Schrott sowie die Missachtung der Sozialstandards in den Hersteller-Ländern eine deutlich geringere Rolle. Dies kritisierten auch die Umweltverbände Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Deutsche Umwelthilfe (DUH), Deutscher Naturschutzring (DNR), das Öko-Institut und der ökologische Unternehmerverband B.A.U.M.
So war auch das Publikums-Interesse an der Sonderausstellung Cebit-Green-IT vergleichsweise gering. Während sich an anderer Stelle, beispielsweise bei der Deutschen Telekom, die Massen durchwälzten, standen die Vertreterinnen der Entwicklungs- und Umweltorganisation Germanwatch als einzige NGO-Vertreter ziemlich allein auf weiter Flur. Da stellt sich die Frage ob sich der Aufwand für den kleinen Infostand auf einem solchen Event wirklich lohnt?
Hierbei müssen wir berücksichtigen, dass besonders der Aspekt der Sozialstandards noch keinen Zugang zur breiten Öffentlichkeit gefunden hat: Das Thema hat noch keine Konjunktur.
Nach Aussagen der beiden Aktivistinnen am Infostand kam das Interesse vor allem von Medienvertretern. Damit wurde, auch wenn wir die genauen Ziele des Cebit-Einsatzes von Germanwatch nicht kennen, ein wesentlicher Punkt erfüllt. Immerhin berichtete die Fachpresse wie der Branchen-Dienst Heise Online über die Kampagne. Einige Journalisten haben vielleicht zum ersten mal die Möglichkeit genutzt, sich direkt zu informieren. Die Argumente von Germanwatch werden bei anderer Gelegenheit den Weg in die Presse finden.
Das Thema könnte vor dem Sprung in eine größere Medienöffentlichkeit stehen und dazu hat die Germanwatch-Präsenz auf der Cebit sicher einen großen Teil beigetragen.
Auch wenn die Kritiker aus der Umweltecke bei solchen Veranstaltungen kaum im Mittelpunkt stehen werden, ist die Präsenz und Ansprechbarkeit ein wesentliches Element der Kampagne und darf nicht als Einzelevent gesehen oder gar bewertet werden.
Danke Germanwatch!
Feb 25
Das Beispiel “Unterschriften für Mindestlohn”
Die Möglichkeiten per SMS zu Spenden wurden hier schon beschrieben. Jetzt folgt ein erster Bericht über weitere Einsatzmöglichkeiten der SMS-Dienste in einer Non-Profit-Kampagne.
Die Idee ist nicht neu. Bereits 2006 experimentierte die Vereinte Dienstleitungsgewerkschaft (Ver.di) mit SMS-Unterschriften. Die Gewerkschafts-Kampaigner suchten gezielt nach einer Möglichkeit konventionelle- und elektronische Medien zu verbinden.
Dazu wurde im Rahmen einer bereits bestehenden Kampagne zum Thema “Mindestlohn” der Gewerkschaften Ver.di und Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) die Web-Site mindestlohn.de entwickelt. Die primär als Online-Kampagne konzipierte Initiative für einen Mindestlohn sollte mit einem möglichst niedrigem Budget bundesweit bekannt gemacht werden und Menschen zum “mitmachen” motivieren. Klassische Werbung über TV und Radio oder flächendeckende Plakatierung über einen längeren Zeitraum hinweg lassen sich i.d.R. mit den für solche Kampagnen zur Verfügung stehenden Budgets nicht realisieren. Zudem würde eine Aufforderung eine Internet-Seite zu besuchen um an einer Aktion teil zu nehmen vermutlich verpuffen, da zwischen Aufruf und der Möglichkeit zu Handeln zu viel Zeit vergeht. Also wurde auf ein verbindendes Medium gesetzt, dass die Verbindung von Offline- zu Online-Kampagne herstellt: Das Mobiltelefon.
Im März 2006 wurden bundesweit für den Zeitraum von zehn Tagen an 4.000 Stellen Großplakate geschaltet. Darauf warben die Gewerkschaften für ihre Mindestlohn-Kampagne und forderten die Leser auf sogleich ihre Zustimmung per SMS kund zu tun. Die Aufforderung bestand darin eine SMS mit dem Stichwort “Mindestlohn”, dem Namen und dem Wohnort an eine Kurzwahlnummer zu senden. Als Anwort bekam der Versender eine automatisch generierte SMS zurück. Darin wurde der Eingang bestätigt und sich für die Unterstützung bedankt. Zudem enthielt die Nachricht den Hinweis darauf, dass der Name des Unterstützers demnächst unter der Internet-Adresse “www.mindestlohn.de” eingetragen wird.
Während des Zeitraums der Plakatierung gaben 7.500 Menschen per SMS ihre “Unterschrift”. Im weiteren Verlauf gingen innerhalb eines Jahres 14.055 SMS-Unterschriften ein. Zum Vergleich gaben im gleichen Zeitraum 11.435 Menschen ihre Zustimmung online auf der Internet-Seite und 117.628 Unterschriften wurden herkömmlich auf papiernen Unterschriften-Listen gesammelt.
Ver.di wertete die Aktion ob ihrer unerwarteten Akzeptanz als Erfolg. “Die Erfahrungen dieser SMS-Aktion zeigen zudem, dass der Transfer von einem Printmedium, hier dem Plakat, über das Moboltelefon per SMS-Abstimmung auf ein Online-Medium, die Homepage der Kampagne, funktioniert hat”, so ein ver.di-Vertreter. Auf Grund der positiven Ergebnisse wurde das Werkzeug auch in anderen Gewerkschafts-Kampagnen eingesetzt. Beispielsweise in der Kampagne “Genug gespart” gegen weitere Sparmaßnahmen im Öffentlichen Dienst oder in der IG-Metall-Kampagne “Leiharbeit fair gestalten“.
In Zeiten des iPhones kann man sich den Umweg über die SMS sicher bald sparen aber die Verbindung Aufmerksamkeit auf der Straße zur sofortigen Handlung bleibt interessant.
Ingo Bokermann, Online-Kampaigner
Feb 19
Übernächste Woche (vom 2. bis 6. März) öffnet die diesjährige CeBIT ihre Pforten. Ein Teil der Messe gehört der CeBIT green IT. Zu den Themen der Green IT zählen die Organisatoren zwar den Bereich CO2 Einsparung, aber die Energiegewinneung spielt noch keine Rolle. Weiter gefasst sehen es die Macher des Non-Profit-Book-Projektes Greening.IT. In einer Mindmap stellen sie die weitere Umwelt von Green IT dar. Ähnlich sehen es auch die inzwischen fast 4.0000 Mitglieder der Facebook-Gruppe “We want Facebook to use clean energy, not coal”. Über die Kampagne habe ich schon berichtet.
Auf dem social network Xing gibt es eine Fachgruppe zu Green IT und die Bundesregierung fördert Green IT Projekte im Rahmen des Konjunkturpaketes II. Interessantes rund um das Thema nachhaltige IT findet man verständlich aufbereitet auf dem nachhaltige-IT-Blog.
Ohne Zweifel ein großes Thema, dem sich die Nicht-Regierungsorganisation in Deutschland, anders als beispielsweise in den USA, eher zaghaft nähern.
Die Organiastion WEED mit Sitz in Bonn und in Berlin widmed sich mit ihrer Kampagne PC Global dem Aspekt Arbeits- und Menschenrechte in der IT-Industrie. Die Kampagne PC Global zielt auf die öffentliche Beschaffung am Beispiel Hochschulen. Ein Aktionsseminar organisiert WEED im Vorfeld zur CeBIT vom 26. bis 28 Februar. Ein besseres Forum, als die Messe mit der versammelten globalen IT-Industrie, wird man wohl kaum finden.
Beispielhafte Leuchtturm-Projekte werden auf eine Extra-Seite der Deutschen Umwelthilfe vorgestellt. Auf dem ökologischen Verbraucher-Portal Utopia gibt die Utopia-Stiftung Tipps zum umweltgerechten Umgang mit “Consumer-Elektronics”.
Wir sind gespannt, was das “Rahmenprogramm” der CeBIT an Aufmerksamkeit bringen wird.
Feb 17
Online Beteiligungsverfahren des BMU:
Mit einer Videobotschaft hat Katharina Reiche, Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, das Online-Bürgerbeteiligungs-Portal Mitreden-U zur Debatte um die deutsche Nachhaltigkeits-Strategie eröffnet. Einen Monat lang, bis zum 17. März, können Bürgerinnen und Bürger auf dem Portal eigene Beiträge veröffentlichen oder andere kommentieren und bewerten. Die wichtigsten Themen sollen anschließend mit ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern, Vertretern von Verbänden und des Umweltministeriums weiter diskutiert werden. “Die Ergebnisse sollen in die Diskussion um die Themensetzung des Fortschrittsbericht 2012 zur deutschen Nachhaltigkeitsstrategie eingebracht werden”, so Frau Reiche in einer Presseerklärung.
Auf der Dialog-Seite heisst es: “In dem Fortschrittsbericht steht nicht nur, was die Bundesregierung auf dem Weg zu einem nachhaltigen Deutschland bisher erreicht hat, sondern auch in welchen Bereichen sie zukünftig besonders aktiv wird und welche konkreten Ziele sie erreichen möchte.” Moderiert wird der Dialog von der Agentur Zebralog, die mit Bürgerbeteiligungen erfahren ist und für Ihr Verfahren am Kölner Bürgerhaushalt mit dem zweiten Platz des „UN Public Service Award“ der Vereinigten Nationen ausgezeichnet wurde.
Um eine Kampagne geht es dabei eigentlich nicht, vielmehr das um Thema Bürgerbeteiligung im Online-Verfahren. Mit dieser Form der Bürgerbeteiligung betritt das Umweltministerium Neuland. Kampaigner und Lobbyisten werden sicher darauf achten, dass “ihr” Thema einen prominenten Platz bekommt. Der Naturschutzbund, NABU hat schon vor einigen Tagen auf das Verfahren hingewiesen.
Wer aktiviert die meiste Online-Beteiligung?
Feb 16
Green-IT Facebook-Kampagne bei Facebook
Vor einigen Tagen hat ein Nutzer die Facebook-Gruppe “We want Facebook to use clean energy, not coal” ins Leben gerufen. Die Gruppe wächst rasant und steht schon bei über 3.000 Mitgliedern.
Begonnen hat alles Ende Januar mit der Ankündigung von Facebook in Prineville, Oregon ein neues Rechenzentrum zu errichten. Bereits am 6.Februar stellt Treehugger auf seiner Internet-Seite die Frage, warum Facebook sein Rechen-Zentrum ausgerechnet an einem Ort errichten will, in dem Strom aus Kohlekraft gewonnen wird. In dem sonst an erneuerbaren Energien reichen Oregon hätte es doch andere Plätze gegeben. In Prineville freut man sich natürlich über den kleinen Aufschwung.
Treehugger ist ein Informations-Dienst, der sich der nachhaltigen Entwicklung widmet und regelmäßig über Themen der Nachhaltigkeit berichtet.
Das Beispiel zeigt, wie schnell sich eine Protest-Bewegung in Facebook formieren kann. Natürlich ist es ein Facebook-Thema und daher kein Wunder, dass gerade in diesem Netzwerk sich der erste Protest regt. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis das Thema auf andere Netzwerke oder Kampagnen-Plattformen überspringt.
Wir werden die Kampagne beobachten und berichten wenn es zur ersten Reaktion der Facebook-Betreiber kommt.
Feb 11
Als bekennender Fan knackiger Gitarren-Klänge und ganz besonders des Streifens “It might get Loud” von Davis Guggenheim, musste ich unbedingt auf folgende Meldung im Spigel-Online klicken: “Soundtrack zum Kriegsdienst – US-Luftwaffe zieht White-Stripes-Spot zurück”.
Jack White ist neben Jimmy Page und The Egde einer der drei Gitarren-Protagonisten in der filmischen Huldigung an die E-Gitarre.
Anfang Februar hatte die US-Luftwaffe während der Übertragung der NFL Super Bowl einen Werbespot zur Rekrutierung von Soldaten ausgesstrahlt und in diesem den Sound von Meg und Jack White verwendet. An sich ist das nichts besonderes, hätte die Luftwaffe nicht vergessen die Urheber, nämlich die White-Geschwister um Erlaubnis zu fragen. Diese haben nun protestiert gegen die unerlaubte Verwendung ihrer Musik für einen Zweck, nämlich der Rekrutierung für einen Krieg, den sie nicht unterstützen.
Kein Problem für die Marketing-Experten der Luftwaffe. Der Spot wird zurückgezogen.
Urheberrechte werden leider alltäglich verletzt. Das geschieht unter Umständen auch für für einen “Guten Zweck”. Um zu verhindern, das außer der US-Luftwaffe beispielweise auch “Grüne Aktivisten” im Internet für eine Kampagne Urheberrechte verletzen, warnt Greenpeace auf der Kampagnen-Plattform greenaction.de in dem aktuellen Beitrag “wichtige Infos zum Urheberrecht” vor der Verletzung.
Nicht unbedingt als Pazifist, aber als Fan von The White Stripes und dem Urheber-Recht unterstreiche ich dies hiermit fett, Ingo Bokermann.
Feb 09
Am 3. Februar, so stand es bei Welt-Online, haben der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt, das Kampagnennetzwerk Campact und die Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad zur Teilnahme an einer 120km langen Menschenkette gegen die Atomkraft aufgerufen. Mit der Anti-Atom-Kette, die am 24. April von Krümmel bis nach Brunsbüttel gehen soll, wollen Kernkraftgegner gegen die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken protestieren. An der Organisation der Aktion beteiligen sich Anti-Atom-Initiativen, Umweltverbände, Gewerkschaften, Parteien wie die SPD, Jugendverbände und weitere Nichtregierungsorganisationen.
Die Aufrufe werden u.a. über greenaction.de und der Kampagnen-Plattform der TAZ verbreitet.
Als Kampaigner fragt man sich, warum gerade diese Aktion – Was ist das Ziel der Aktion, was soll sie symbolisieren und wieviele Menschen müssen teilnehmen?
Eine 120km lange Menschenkette braucht sehr viele Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Gelingt es weitgehend die Kette zustande zu bringen, wird dadurch Stärke und Entschlossenheit demonstriert und darum geht es – wie bei einem Warnstreik während Tarifverhandlungen. Vielleicht sind die laut FAZ-Online in der Regierungs-Koalition umstrittenen Aussagen von Umweltminister Norbert Röttgen schon leisen Vorahnungen des Umweltministers geschuldet.
Liest man die das Motto in den originalen Aufrufen bei .ausgestrahlt oder in der Presseerklärung von BUND, wird die Frage nach der Symbolisierung schnell beantwortet: Das Motto lautet “KettenreAktion: Atomkraft abschalten!” Also eine “Menschen-Ketten-Reaktion” auf geplante Laufzeit-Verlängerungen der Kernkraftwerke.
Bleibt noch die Frage nach der Teilnehhmerzahl: Bei Wikipedia findet sich eine Liste einiger historischer Ereignisse dieser Art. Beispielsweise haben am 22. Oktober 1983 vermutlich über 400.000 Menschen eine Kette von Stuttgart nach Neu-Ulm gebildet. Das waren einem Bericht der Stuttgarter Zeitung die hier zitiert wird, zufolge 108km. Mit der hohen Teilnehmerzahl wäre mehr möglich gewesen. Eindruckvolle Bilder findet ihr auch hier auf einer privaten Seite.
Organisatorisch ist das jedenfalls eine Herausforderung an das Bündnis. Das sollte unterstützt werden!
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